Centrum & St. Georg

CENTRUM & SANKT GEORG & NEUSTADT

 

Tut es weh, fass die Zeh

von Gunter Gerlach

 

Maja behauptet, ich hätte wohl am Abend zuvor zu viel Alkohol getrunken.
Mir geht es nicht gut. Maja hat in diesem Fall ein Rezept einer mir unbe- kannten Großmutter parat. „Tut es weh, fass die Zeh, hat meine Oma immer gesagt.“ „Wenn ich mir an die Zehen fasse, wird mir schwindelig, und ich
falle um.“ — „Nicht deine eigenen Zehen, sondern die der Figuren auf dem Mönckebergbrunnen. Wir wohnten damals in der Langen Reihe, ungefähr gegenüber Café Gnosa. Und wenn wir krank waren, marschierte meine Großmutter mit uns bis zum Mönckebergbrunnen. Es funktionierte!“
— „Fauler Zauber.“ — „Meine Großmutter war eine geborene Mönckeberg,
die wusste genau, was sie tat. Sie war verwandt mit dem ehemaligen Bürgermeister.“ Maja zuliebe lasse ich mich drauf ein. Wir dürfen nicht mit der U-Bahn bis zum Brunnen fahren, sondern müssen eine Strecke zu Fuß durch die City gehen. „Das Zufußgehen gehört dazu wie ein Pilgergang. Es muss mindes- tens die gleiche Entfernung sein wie damals bei uns.“ Unterwegs durch die City bleibt Maja immer wieder vor Schau-fenstern stehen, aber sie erzählt von Johann Georg Mönckeberg. Er war mehrmals Bürgermeister um 1900 herum, zu einer Zeit, als sich die Einwohnerzahl Hamburgs verdoppelte. Endlich stehen wir vor dem Brunnen. Ich fasse zuerst dem Bronzemann und dann der Bronzefrau an die Zehen. Man sieht, ich war nicht der Erste. „Ist das ein bekanntes Rezept?“, frage ich. Maja legt den Finger an die Lippen. „Es könnte auch an dem Dreieck liegen. Der Platz ist ja ein Dreieck, und meine Großmutter meinte, seit den Pyramiden wisse man, Dreiecke haben eine magische Wirkung.“ Wir gehen die
Mönckebergstraße weiter in Richtung St. Georg. Maja erzählt, ihre Großmutter hätte behauptet, die gesamte Stadtplanung
basiere auf Dreiecken, und da, wo theoretisch die Grabkammer der Pharaonen liege, hätten die reichen Hamburger ihre
Häuser oder Geschäfte gebaut. Mir geht es tatsächlich besser. Und Maja schlägt vor, wenigstens noch die Lange Reihe
entlangzugehen, mit den vielen kleinen Geschäften. Das gefällt mir auch. Schließlich stehen wir vor dem Café Gnosa. „Hier gibt’s den besten Kuchen weit und breit.“ Wir finden einen Platz gleich am Eingang. „Und hier hast du schon mit deiner Großmutter gesessen?“ — „Sicher.“ Maja lächelt, und ich hab das Gefühl, sie hat sich die Großmutter nur ausge-dacht! „Auf jeden Fall wusste ich“, sagt Maja, „dass es dir nach einem Spaziergang besser gehen würde. Und ich hatte keine Lust, durch einen langweiligen Park zu latschen. Ich wollte Läden und Menschen sehen und lecker Kuchen essen!“

TIPP DES MONATS

Bücherkoje

So stellt man sich eine Koje vor: klein, gemütlich und voll. Und diese hier ist wie eine Schatztruhe, aus der die papiernen Perlen quellen, mittendrin in der City.

 

Jakobikirchhof 8, 20095 HH

T: 040 324179
www.buecherkoje.de
Mo-Fr 10-18:30, Sa 10-14 

 

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